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Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

07.10.2015

Chris­ten in ei­ner mul­ti­kul­tu­rel­len und sä­ku­la­ren Ge­sell­schaft

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Prof. Dr. Matthias Petzoldt

Der Evan­ge­li­sche Ar­beit­neh­mer­ver­ein (EAV) ver­an­stal­te­te am 7. Ok­to­ber im Rah­men des ACK-Jah­res­pro­gramms ei­nen Vor­trags- und Ge­sprächs­abend über das The­ma „Die Chris­ten in ei­ner mul­ti­kul­tu­rel­len und sä­ku­la­ren Ge­sell­schaft”. Re­fe­rent war der Leip­zi­ger Theo­lo­ge Prof. Dr. Mat­thi­as Pet­zoldt. Er glie­der­te sei­nen in­ter­es­san­ten und sehr wis­sen­schaft­lich for­mu­lier­ten Vor­trag in vier Ab­schnitte:

  1. Ha­ben die Er­eig­nis­se der fried­li­chen Re­vo­lu­ti­on im Herbst ‘89 zu ei­ner Er­we­ckung ge­führt?
  2. Ist aus den Um­brü­chen für die Kir­che wie­der eine zen­tra­le Rol­le in der Ge­sell­schaft er­wachsen?
  3. Wie fin­den wir uns Chris­ten an­ge­sichts der re­li­giö­sen Gleich­gül­tig­keit vie­ler Zeit­ge­nos­sen zu­recht?
  4. Ist es die Auf­gabe der Chris­ten, für ein christ­li­ches Abend­land pa­trio­tisch zu kämpfen?

Aus den um­fang­rei­chen Dar­le­gun­gen des Re­fe­ren­ten kön­nen nur ei­ni­ge we­sent­li­che Punk­te in ein­em Be­richt über den Abend im evan­ge­li­schen Lut­her­saal fest­ge­hal­ten werden.

Zu Fra­ge 1: Die Er­eig­nis­se des Jah­res 1989 in der ehe­ma­li­gen DDR ha­ben in der Chris­ten­heit des Lan­des zu ei­ner re­li­giö­sen Er­we­ckung ge­führt, „Was sich für die Chris­ten in den neu­en Bun­des­län­dern zur Be­wäl­ti­gung ih­rer Min­der­heits­si­tua­ti­on her­aus kris­tal­li­siert hat, das dürf­te auch für die Chris­ten in den al­ten Bun­des­län­dern wich­tig wer­den: näm­lich sich auf das Ei­gent­li­che und We­sent­li­che un­se­res Christ­seins zu be­sin­nen, und das ist das Ver­trau­en in die Per­son Je­su Chris­ti.” Es ge­he, so der Re­fe­rent, um die vor­be­halt­lo­se An­er­ken­nung Je­su Chris­ti und das Wei­ter­ge­ben sei­ner vor­be­halt­lo­sen An­er­ken­nung an die Men­schen in un­se­rer Um­gebung.

Zu Fra­ge 2: Die christ­li­che Kir­che hat we­der im Os­ten noch im Wes­ten Deutsch­lands ei­ne zen­tra­le Rol­le in der Ge­sell­schaft er­reicht. Die Zei­ten, in de­nen die Re­li­gi­on in Deutsch­land durch die en­ge Ver­bin­dung von po­li­ti­scher und geist­li­cher Macht das ge­sam­te Le­ben der Men­schen be­stimm­te, sind durch die Re­for­ma­ti­on Mar­tin Lut­hers und das Zeit­al­ter der Auf­klä­rung vor­bei. Die Men­schen le­ben heu­te in ei­ner sä­ku­la­ren und mul­ti­kul­tu­rel­len Ge­sell­schaft, der Staat an­er­kennt durch sei­ne Ver­fas­sung die Men­schen- und Bür­ger­rechte, die im Grund­ge­setz der Bun­des­re­pub­lik Deutsch­land for­mu­liert sind. Ne­ben den christ­li­chen Kir­chen be­ste­hen in Frei­heit ver­schie­de­ne Be­rei­che wie Wis­sen­schaft. Wirt­schaft und Kul­tur, die sich im Lauf der Ge­schich­te von kirch­li­cher Be­vor­mun­dung be­freit ha­ben. Doch ist es nach wie vor ei­ne zen­tra­le Auf­ga­be der christ­li­chen Kir­chen, ih­re Auf­fas­sun­gen zu zen­tra­len Pro­ble­men in Staat und Ge­sell­schaft zu sa­gen, was nicht sel­ten in be­deut­sa­men Er­klä­run­gen ge­schieht.

Zu Fra­ge 3: Pro­fes­sor Pet­zoldt wies auf die Min­der­heits­si­tua­ti­on der Chris­ten in den neu­en Bun­des­län­dern hin. Vie­le Men­schen ha­ben kei­ne Be­zie­hun­gen zur christ­li­chen Re­li­gi­on, was lei­der auch für West­deutsch­land gel­te. Für Chris­ten und Christ­in­nen be­deu­tet die­se Her­aus­for­de­rung, sich auf das Ei­gent­li­che ih­res Glau­bens zu be­sin­nen. Beim christ­li­chen Glau­ben geht es nicht um ei­nen re­li­giö­sen Kitt für Not­fäl­le im Le­ben der Men­schen, son­dern es geht um die vor­be­halt­lo­se An­er­ken­nung Je­su Chris­ti, die uns Mut und Kraft auch in schwie­ri­gen und sor­gen­vol­len Zei­ten gibt.

Zu Fra­ge 4: Der Gast­red­ner setz­te sich in die­sem Ab­schnitt sei­nes Vor­trags mit der be­son­ders im Os­ten un­se­res Lan­des ak­ti­ven PEGIDA-Be­we­gung aus­ein­an­der. Er sag­te zum Schluss sei­nes Re­fe­rats wört­lich: „Schließ­lich geht für uns Chris­ten die Of­fen­heit ge­gen­über Frem­den aus der vor­be­halt­lo­sen An­er­ken­nung her­vor, mit der uns Chris­tus be­geg­net und die uns mo­ti­viert, mit eben­sol­cher Un­vor­ein­ge­nom­men­heit auf die Men­schen zu­zu­gehen, de­nen wir be­gegnen.”

Dr. Wilhelm Platz