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Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

08.07.2015

Stern­stunde

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Dr. Gerhard Begrich, Pfr. Ulrich Matthei

Als Nach­le­se zum dies­jäh­ri­gen Stutt­gar­ter Kir­chen­tag folgt heu­te ein Be­richt über ei­ne Zeils­hei­mer „Stern­stun­de”. Denn auch hier ging es um das The­ma: „da­mit wir klug wer­den!”. Klug­heit ist ein Er­fah­rungs­wert: Wo Wis­sen und Weis­heit sich er­gän­zen, kann Klug­heit erwachsen.

In die­sen Ta­gen kam Pfar­rer Dr. Ger­hard Be­grich zu Be­such nach Zeils­heim. Als ehe­ma­li­ger Stu­dien­lei­ter der theo­lo­gi­schen Se­mi­na­re in Gna­dau und Drü­beck, so­wie als frü­he­rer wis­sen­schaft­li­cher As­sis­tent an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät in Ber­lin konn­te er uns Ein­bli­cke in sein gro­ßes Wis­sen ge­ben.
Bei ei­nem Vor­trags­abend des EAV sprach er zum The­ma: „Bib­li­sche Hoff­nungs­ge­schich­ten in Zei­ten von Glau­bens­kri­sen”. Hier­bei spitz­te er das The­ma auf die ein­fa­che Fra­ge zu: „Wel­che Hoff­nung kön­nen wir wei­ter­sagen?”

Die Bi­bel als Glau­bens­ur­kun­de der Chris­ten­heit gibt uns Aus­kunft. Da­bei sol­len wir sie nicht wört­lich, son­dern beim Wort neh­men. Nicht, das was im Text ge­nau steht, ist ent­schei­dend, son­dern das, was ge­meint ist. Je­de Bi­bel­über­set­zung ist be­reits ei­ne In­ter­pre­ta­tion. An kon­kre­ten Text­bei­spie­len in den Über­set­zun­gen von Mar­tin Bu­ber und Mar­tin Lut­her mach­te er deut­lich, was ei­ne „gu­te Über­set­zung” aus­macht. Sie muss nicht nur phi­lo­lo­gisch ge­nau sein, son­dern auch theo­lo­gisch ge­nau „den Kern der Aus­sage” tref­fen. Den­noch blei­ben bib­li­sche Aus­sagen im­mer auch be­deu­tungs­of­fen: „Da gibt es kein rich­tig oder falsch”. Hal­ten wir das aus?

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Gesprächsrunde

Der Glau­be ist im­mer ein Wag­nis. Wir kön­nen nichts wis­sen. Die Spra­che des Glau­bens kennt das Stau­nen, das Dan­ken, das Lo­ben und Bit­ten aber auch den Zwei­fel. Ge­ra­de des­halb ist dem christ­li­chen Glau­ben je­der „Fun­da­men­ta­lis­mus” fremd. Gleich­zei­tig gilt die­se Er­kennt­nis auch für den Athe­is­mus. So wird in ei­ner rab­bi­ni­schen Er­zäh­lung be­rich­tet, wie ein Rab­bi er­klärt: „Du kannst dich in dei­nem Le­ben für oder ge­gen Gott ent­schei­den, aber du wirst nie­mals oh­ne den Schöp­fer und den All­barm­her­zi­gen sein.”

Die Bi­bel ver­heißt uns: Wir Men­schen sind al­le Eben­bild Got­tes. Des­halb kann es kei­ne Frem­den ge­ben und des­halb rich­tet sie sich ge­gen je­de Form von Apart­heid.

Wir Men­schen le­ben da­von, dass die Hoff­nung lebt. Die He­brä­ische Bi­bel en­det mit dem 2. Buch der Chro­nik des Vol­kes Is­ra­el. Da­rin wird be­rich­tet, dass wir uns im nächs­ten Jahr in Je­ru­sa­lem wie­der­se­hen. Auch das Neue Tes­ta­ment en­det mit ei­ner Vi­sion ei­nes himm­li­schen Je­ru­sa­lems. Da­her sagt uns die Bi­bel: Am En­de steht nicht der Tod und das Ver­der­ben, son­dern das Le­ben! Un­ser Weg führt uns hier durch vie­le Tä­ler hin­durch im­mer auf­wärts nach Je­ru­sa­lem. Es geht also gut aus mit Gott und die­ser Welt!

So wie am Jab­bok Is­ra­el siegt und Gott Ja­kob be­schützt (Gen 32, 23-32), so führt die­se Got­tes­be­geg­nung zur Men­schen­be­geg­nung. In­dem sich Esau und Ja­kob tren­nen, ist Ver­söh­nung mög­lich. Durch Ver­zicht auf den Sieg Got­tes kommt der Frie­den in die Welt zu al­len Men­schen. Aus der Bru­der­lie­be er­wächst im Neu­en Tes­ta­ment die Nächs­ten­liebe.

Le­ben ge­lingt dann, wenn wir un­ser Grund­ver­trau­en an an­de­re wei­ter­ge­ben: Weil Gott selbst am Werk ist, kön­nen wir den Glau­ben wa­gen. Dann kön­nen wir auf Macht ver­zich­ten und ab­rüs­ten – sprach­lich wie mi­li­tä­risch. Denn die Bi­bel sagt uns, dass es gut aus­geht mit Gott und mit uns durch Got­tes Segen.

Der Dich­ter Huub Oos­ter­huis for­mu­lier­te: „Al­les ist gut, was Du gemacht hast. Müh­se­lig, lang­sam, in Hoff­nung und Furcht ge­stal­ten wir Dei­ne Ver­hei­ßun­gen aus, bau­en wir an der Stadt des Frie­dens, an der neu­en Schöp­fung, wo Du uns Licht bist, al­les in al­lem. Gib Kraft dazu, bring uns an ein glück­li­ches Ende, Gott.”

Pfr. Ulrich Matthei