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Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

06.05.2015

Öku­me­ni­sche Kon­tro­ver­sen zum Re­for­ma­tions­ju­bi­lä­um 2017 – Er­in­nern oder Fei­ern?

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Dr. theol. Wal­ter Fleisch­mann-Bis­ten, Lei­ter des Kon­fes­sions­kund­li­chen Ins­ti­tuts in Bens­heim

Die evan­ge­li­sche Chris­ten­heit be­rei­tet sich schon seit län­ge­rem dar­auf vor, in ge­eig­ne­ter Wei­se an den Be­ginn der abend­län­di­schen Re­for­ma­tion im Jahr 1517 zu er­in­nern oder die­ses 500-jäh­ri­ge Ju­bi­lä­um in zwei Jah­ren ge­büh­rend zu fei­ern. Aus der rö­mi­sch-kat­ho­li­schen Kir­che ka­men be­reits Hin­wei­se, dass die da­ma­li­ge Re­for­ma­tion Mar­tin Lut­hers zur Kir­chen­spal­tung ge­führt ha­be, al­so kei­nen An­lass zu ei­ner groß­ar­ti­gen Fei­er ge­be.

Der Evan­ge­li­sche Ar­beit­neh­mer­ver­ein Zeils­heim be­schäf­tig­te sich am 6. Mai ge­mein­sam mit der hie­si­gen Ar­beits­ge­mein­schaft Christ­li­cher Kir­chen mit die­ser öku­me­ni­schen Pro­ble­ma­tik. Re­fe­rent des Abends war Dr. theol. Wal­ter Fleisch­mann-Bis­ten, Lei­ter des Kon­fes­sions­kund­li­chen Ins­ti­tuts in Bens­heim. Er schil­der­te zu­nächst die Vor­be­rei­tun­gen des Ju­bi­lä­ums auf den ver­schie­de­nen kirch­li­chen Ebe­nen. Da­bei ste­hen die Ver­ant­wort­li­chen auf evan­ge­li­scher Sei­te mit der kat­ho­li­schen Kir­che im Ge­spräch, weil man 2017 doch mög­lichst ge­mein­sam der Re­for­ma­tion ge­den­ken wol­le. Ein wich­ti­ger Ge­sprächs­part­ner auf kat­ho­li­scher Sei­te ist der Mag­de­bur­ger Diö­ze­san­bi­schof Dr. Ger­hard Fei­ge, Vor­sit­zen­der der Öku­me­ne-Kom­mis­sion der Deut­schen Bi­schofs­kon­fe­renz. Der Re­fe­rent ging im Wei­te­ren auf die ge­schicht­li­chen und theo­lo­gi­schen Wur­zeln der Re­for­ma­tion im christ­li­chen Abend­land ein. Mar­tin Lut­her, Ul­rich Zwing­li, Jo­han­nes Cal­vin und an­de­re Re­for­ma­to­ren des 16. Jahr­hun­derts wa­en nicht die ers­ten Kir­chen­män­ner, die ei­ne Re­for­ma­tion der Chris­ten­heit für drin­gend not­wen­dig und sinn­voll hiel­ten. Schließ­lich hat­te die Kir­che im Lauf der Zeit, Pro­zes­se der Sä­ku­la­ri­sie­rung durch­ge­macht und oft ih­re ei­gent­li­che, von Je­sus Chris­tus über­tra­ge­ne Auf­ga­be, den Men­schen zu die­nen und ih­nen das Evan­ge­lium zu ver­kün­den, ver­nach­läs­sigt. So gab es be­reits vor der abend­län­di­schen Re­for­ma­tion kirch­li­che Er­neue­rungs­be­we­gun­gen – et­wa die der Fran­zis­ka­ner und der Zis­ter­zien­ser. Auch das Kon­zil von Kon­stanz (1414-1918) be­müh­te sich um ei­ne Re­form der Kir­che, die al­ler­dings nicht ge­lang.

So war es Mar­tin Lut­her und sei­nen Mit­strei­tern vor­be­hal­ten, ei­ne Re­form der Kir­che an Haupt und Glie­dern in An­griff zu neh­men. Dr. Fleisch­mann-Bis­ten wies dar­auf hin, dass die Re­for­ma­to­ren kei­ne Kir­chen­spal­tung be­ab­sich­tig­ten, die je­doch lei­der durch die Un­ein­sich­tig­keit der Ver­ant­wort­li­chen auf bei­den Sei­ten schluss­end­lich ein­ge­tre­ten ist. Auch die Ver­tre­ter des Pro­tes­tan­tis­mus for­mu­lie­ren in ih­rem Glau­bens­be­kennt­nis, dass es nur ei­ne christ­li­che, vom Herrn Je­sus Chris­tus ge­stif­te­te Kir­che gibt, als de­ren Teil sie sich nach wie vor ver­stehen.

In der Epo­che der so­ge­nann­ten Ge­gen­re­for­ma­tion wur­den beim Kon­zil von Trient (1545-1563) in der kat­ho­li­schen Kir­che Re­for­men be­schlos­sen. Man ging im Kat­ho­li­zis­mus al­ler­dings bis in un­se­re Zeit da­von aus, dass die be­dau­er­li­che Spal­tung der Chris­ten­heit nur durch ei­ne Rück­kehr der ge­trenn­ten Brü­der und Schwes­tern in die ei­ne hei­li­ge, kat­ho­li­sche und apos­to­li­sche Kir­che, als die sich die rö­mi­sch-kat­ho­li­sche Kir­che al­lein sah, die Tren­nung auf­he­ben kön­ne. Der Re­fe­rent mein­te, dass mit dem Zwei­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil (1962-1965) die kon­fes­sio­nel­len Kon­flik­te zwar nicht be­sei­tigt, je­doch sehr ge­mil­dert wur­den. So ha­be et­wa der kat­ho­li­sche Theo­lo­ge Pe­ter Manns Mar­tin Lut­her als ei­nen „Va­ter im Glau­ben” be­zeichnet.

Es ist zu er­war­ten und zu hof­fen, dass 2017 ein öku­me­ni­sches Re­for­ma­tions­ge­den­ken ge­fei­ert wird, in dem ei­ne Ver­ein­nah­mung Lut­hers für po­li­ti­sche Zwe­cke, wie et­wa 1917 wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs, nicht mehr er­folgt. Auf dem Weg zu ei­ner sicht­ba­ren Ein­heit der christ­li­chen Kir­che sind ge­wiss noch vie­le mu­ti­ge Schrit­te nö­tig, um theo­lo­gi­sche Dif­fe­ren­zen zu über­win­den. Ge­ra­de in der Fra­ge nach dem We­sen und der Struk­tur der Kir­che Je­su Chris­ti liegt noch viel Ar­beit vor uns. Ge­mein­sam mit dem Re­fe­ren­ten wa­ren sich die Zu­hö­rer dar­in ei­nig, dass es in un­se­rer öku­me­ni­schen Epo­che pri­mär um die Auf­ar­bei­tung der ge­mein­sa­men Ge­schich­te und um die Hei­lung der be­las­ten­den Er­in­ne­run­gen ge­hen müs­se. Im Zen­trum sol­le der ge­mein­sa­me Glau­be an Je­sus Chris­tus stehen.

Dr. Wilhelm Platz