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Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

16.04.2015

Zeils­hei­mer Be­su­cher in der Abu­bakr-Moschee

Einladung Moschee-Besuch 16.04.2015

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Besucher in der Abubakr-Moschee

Auf Ein­la­dung der Zeils­hei­mer Ar­beits­ge­mein­schaft Christ­li­cher Kir­chen, des Evan­ge­li­schen Ar­beit­neh­mer­ver­eins, der Kat­ho­li­schen Frau­en St. Bart­ho­lo­mäus und des Kat­ho­li­schen Män­ner­bun­des be­such­ten Mit­te April et­wa 40 evan­ge­li­sche und kat­ho­li­sche Christ­in­nen und Chris­ten die Abu­bakr-Moschee im Frank­fur­ter Stadt­teil Hau­sen. Die in­ter­es­sier­te Grup­pe wur­de vom sym­pa­thi­schen und sehr li­be­ral ein­ge­stell­ten Ge­schäfts­füh­rer der Is­la­mi­schen Ge­mein­de Frank­furt e.V. Mo­ha­med Moh­cen Sed­da­di durch die schö­ne An­la­ge ge­führt.

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Mohamed Mohcen Seddadi

Un­ser Gast­ge­ber er­klär­te, dass die, in der Re­gel aus ma­rok­ka­ni­schen Mus­li­men be­ste­hen­de, Ge­mein­de be­reits seit dem Jahr 1976 exis­tie­re. Man ha­be sich be­wusst in der Nä­he der Uni­ver­si­tät an­ge­sie­delt, weil vie­le jun­ge Ma­rok­ka­ner dort stu­dier­ten. Erst in die­sem Jahr­hun­dert wur­de die heu­ti­ge Moschee ge­baut. Be­vor Herr Sed­da­di in sei­nen In­for­ma­tio­nen auf das Got­tes­haus und die Grund­la­gen des Is­lam ein­ging, be­rich­te­te er aus­führ­lich über die Ein­rich­tun­gen sei­ner Ge­mein­de, die ne­ben dem re­li­giö­sen An­ge­bot be­ste­hen: Es gibt ei­ne Ko­ran-Schu­le, die von rund 400 Jun­gen und Mäd­chen be­sucht wird und ver­schie­de­ne Sport­an­ge­bo­te, bei­spiels­wei­se ei­nen Fuß­ball­ver­ein. Wie in den an­de­ren Frank­fur­ter mus­li­mi­schen Ge­mein­den wird auch in der Hau­se­ner Ge­mein­de für die Klein­kin­der und Se­nio­ren ge­sorgt so­wie die Nach­bar­schafts­hil­fe ge­pflegt.

Be­son­ders ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die Ge­mein­de sehr in­ten­si­ve Kon­tak­te zur evan­ge­li­schen und kat­ho­li­schen Kir­che vor Ort hat. Der so ge­nann­te in­ter­re­li­giö­se Dia­log funk­tio­niert sehr gut. Bei der Be­schrei­bung der Abu­bakr-Moschee wur­de be­son­ders auf die fünf Säu­len des Is­lam hin­ge­wie­sen, die zum Glau­bens­gut al­ler mus­li­mi­schen Grup­pie­run­gen ge­hö­ren: der Glau­be an den ei­nen Gott – Allah, das fünf­ma­li­ge Ge­bet an je­dem Tag, das Spen­den von Al­mo­sen, die Ein­hal­tung des Ra­ma­dan und die Pil­ger­fahrt nach Mek­ka. From­me Mus­li­me ken­nen kei­nen se­lek­ti­ven Glau­ben, sie müs­sen al­les, was der Pro­phet Mo­ham­med im Ko­ran ge­lehrt hat, in ih­rer re­li­giö­sen Pra­xis be­fol­gen. Bei der Vor­stel­lung des Got­tes­hau­ses, das von den Be­su­chern aus Zeils­heim sehr be­wun­dert wur­de, stell­te Herr Sed­da­di die zen­tra­len Tei­le der Moschee vor: die nach Mek­ka aus­ge­rich­te­te Ge­bets­ni­sche (Mih­rab) und die Kan­zel (Mim­bar), von der aus der Imam im Got­tes­dienst die Pre­digt hält. Ein­drucks­voll ist auch der Tep­pich, auf dem die Be­ter knien. Die Be­we­gun­gen beim Ge­bet ha­ben ei­ne be­stimm­te Be­deu­tung und müs­sen im­mer voll­zo­gen wer­den. Un­se­rer Grup­pe wur­de auch ein ei­ge­ner Ge­bets­raum für die mus­li­mi­schen Frau­en ge­zeigt, der sich in der obers­ten Eta­ge der Moschee be­findet.

Nach der Füh­rung konn­ten die Be­su­cher in ei­nem Ver­samm­lungs­raum im Un­ter­ge­schoss der Abu­bakr-Mosche bei ma­rok­ka­ni­schem Tee und Ge­bäck Fra­gen stel­len. Die wohl zen­trals­te Fra­ge lau­te­te: „Wann ist der Is­lam in Eu­ro­pa an­ge­kom­men?” Da­zu konn­te kei­ne all­ge­mein­gül­ti­ge Ant­wort ge­ge­ben wer­den. In der öf­fent­li­chen Dis­kus­sion ist ja um­strit­ten: „Ge­hört der Is­lam zu Eu­ro­pa, zu Deutsch­land oder nicht?” Ab­schlie­ßend kann fest­ge­stellt wer­den: Der Be­such der Moschee in Hau­sen war sehr in­ter­es­sant und sinn­voll – ge­ra­de in un­se­ren Ta­gen, da wir in den Me­dien die schreck­li­chen Kon­flik­te im Na­hen Os­ten, die De­mons­tra­tio­nen der PEGIDA-Be­we­gung oder die neo­na­zis­ti­schen An­grif­fe auf Im­mi­gran­ten und Flücht­lin­ge er­leben müssen.

Dr. Wilhelm Platz