Logo der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

06.09.2014

Main­fran­ken lohnt ei­nen Be­such

Bild zu Text

Kloster Triefenstein

Die dies­jäh­ri­ge Ta­ges­fahrt der Zeils­hei­mer ACK am 6. Sep­tem­ber führ­te in das main­frän­ki­sche Ge­biet zwi­schen Aschaf­fen­burg und Würz­burg. Der evan­ge­li­sche Vor­sit­zen­de Die­ter Jung hat­te mit sei­ner Frau die Ex­kur­si­on gründ­lich und sach­kun­dig vor­be­rei­tet und lei­te­te sie zur vol­len Zu­frie­den­heit der Teil­neh­mer und Teil­neh­mer­in­nen. Ei­ni­ge der Mit­fah­ren­den ka­men aus Zeils­heims Um­ge­bung, da sie durch ei­ne Mit­tei­lung im Höchs­ter Kreis­blatt auf die­sen Ter­min auf­merk­sam ge­macht wur­den. Wäh­rend der in­ter­es­san­ten und schö­nen Ta­ges­fahrt wur­den drei Zie­le an­ge­steu­ert: Trie­fen­stein, Bronn­bach und die Stadt Wert­heim am Main, wo das lieb­li­che Tau­ber­tal be­ginnt.

In Trie­fen­stein wur­de im Jahr 1102 von ei­nem Würz­bur­ger De­kan ein Klos­ter ge­grün­det und den bei­den Apos­tel­fürs­ten Pe­trus und Pau­lus ge­weiht. In der noch heu­te se­hens­wer­ten An­lage wohn­ten und ar­bei­te­ten vie­le Jahr­hun­der­te Au­gus­ti­ner Chor­her­ren. In der na­po­leo­ni­schen Zeit wur­de das Klos­ter wie zahl­rei­che an­de­re kirch­li­che Ein­rich­tun­gen in un­se­rem Land auf­ge­löst und pri­va­ti­siert. Die Au­gus­ti­ner Chor­her­ren hat­ten sich ne­ben ih­rer seel­sorg­li­chen Tä­tig­keit auch in­ten­siv um die Kul­tur ge­küm­mert. Nach ih­rem Weg­gang wur­de die­ser Be­reich fast völ­lig ver­nach­läs­sigt. Das Klos­ter mit sei­ner heu­te herr­li­chen Ba­rock­kir­che und den an­de­ren Ge­bäu­den ver­fiel all­mählich.

1986 kauf­te die evan­ge­li­sche Bru­der­schaft der Chris­tus­trä­ger das Klos­ter Trie­fen­stein. Die neu­en Be­sit­zer re­no­vier­ten weit­hin in Ei­gen­ar­beit die ma­ro­de An­la­ge. Ins­be­son­de­re die Klos­ter­kir­che er­strahlt heu­te wie­der in ba­roc­ker Pracht. Sie ist das Schmuck­stück des Klos­ters. Wäh­rend ei­ner Füh­rung durch das Got­tes­haus und die Ge­bäu­de, die zum Teil noch re­stau­riert wer­den müs­sen, er­fuh­ren wir nicht nur De­tails aus der rei­chen Ge­schich­te des Klos­ters, son­dern auch über die Bru­der­schaft der Chris­tus­träger.

Die Ge­mein­schaft ent­stand An­fang der sech­zi­ger Jah­re. Sie ist ei­ne Bru­der­schaft, und als sol­che be­steht sie nur aus Män­nern, die ehe­los in brü­der­li­chem Mit­ein­an­der le­ben. Sie üben Gü­ter­ge­mein­schaft, d.h. sie ha­ben kei­nen oder nur ge­rin­gen ei­ge­nen Be­sitz. Zur Zeit le­ben in Trie­fen­stein 12 Brü­der. Es gibt noch wei­te­re Kom­mu­ni­tä­ten, näm­lich in Wils­druff bei Dres­den, in der Schweiz am Thu­ner­see, in Ka­bul in Af­gha­ni­stan und in Van­ga im Kon­go. In Ka­bul und im Kon­go be­trei­ben die Brü­der Kran­ken­häu­ser und Am­bu­lan­zen, und sie för­dern Ein­hei­mi­sche bei der Grün­dung von Werk­stät­ten, Hand­werks­be­trie­ben und leh­ren bes­se­re Met­ho­den des Ac­ker­baus. In den euro­pä­ischen Häu­sern bie­ten sie in Se­mi­na­ren geist­li­ches Rüst­zeug, ar­bei­ten in ört­li­chen Kir­chen­ge­mein­den mit und ver­die­nen mit ei­ge­nen Werk­stät­ten ih­ren Un­ter­halt. Kurz ge­sagt: Für die Brü­der gilt die al­te Mönchs­re­gel: Ora et la­bo­ra – be­te und arbeite!

Nach dem Mit­tag­es­sen im be­nach­bar­ten Ret­ters­heim ging es durch ei­ne schö­ne vom Fluss­lauf des Mains und zahl­rei­chen Wein­ber­gen ge­präg­te Ge­gend wei­ter zur zwei­ten Sta­ti­on un­se­rer Ta­ges­fahrt, nach Bronnbach.

Bild zu Text

Kloster Bronnbach

Beim Klos­ter Bronn­bach han­delt es sich um ein 1151 ge­grün­de­tes Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter. Bern­hard von Clair­vaux soll die Grün­dung ver­an­lasst ha­ben. Es ist ein ty­pi­sches Zis­ter­zi­en­ser­klos­ter: Es liegt in ei­nem Tal, um­ge­ben von viel Wald und ist mit viel Was­ser ver­sorgt. Die gro­ße Ab­tei­kir­che ist im spät­ro­ma­ni­schen/früh­go­ti­schen Stil er­baut und wur­de 1222 ge­weiht.

Da es an der Gren­ze der Bis­tü­mer Mainz und Würz­burg lag, ver­such­ten bei­de stän­dig, es in Be­sitz zu be­kom­men, es blieb aber im­mer un­ab­hän­gig. Nach dem Bau­ern­krieg ging das Klos­ter un­ter dem da­ma­li­gen Abt zur Re­for­ma­ti­on über, die Re­kat­ho­li­sie­rung er­folg­te bis 1572. 1615 wur­de ein Abt we­gen sei­nes lie­der­li­chen Le­bens­wan­dels vom Würz­bur­ger Bi­schof ab­ge­setzt. 1802 wur­de das Klos­ter im Zu­ge der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on auf­ge­ho­ben, der letz­te Bronn­ba­cher Zis­ter­zi­en­ser starb 1859 als Stadt­pfar­rer in Mil­ten­berg. Al­ler­dings wa­ren von 1921-1931 wie­der Zis­ter­zi­en­ser aus Slo­we­ni­en dort hei­misch, de­nen 1931-1958 Ka­pu­zi­ner folg­ten. Heute bie­ten Pa­tres aus dem Or­den „Mis­sio­na­re von der Hei­li­gen Fa­mi­lie” Se­mi­na­re an und be­treu­en die Pfar­rei­en im Um­feld. Seit 1986 ist das Klos­ter im Be­sitz des Main-Tau­ber-Kreises,

Durch das Klos­ter im Tau­ber­tal führ­te uns ei­ne hoch qua­li­fi­zier­te Dame. Be­son­ders fas­zi­nier­ten uns die im Ba­rock­stil aus­ge­stat­te­te Klos­ter­kir­che, der im­po­san­te Kreuz­gang und der ba­roc­ke Jo­sefs­saal. Die­sen Fest­saal ließ der da­ma­li­ge Abt Jo­sef Hart­mann er­bau­en und aus­ge­stal­ten – ein wirk­li­ches Kunst­werk, das die Be­su­cher be­geis­tern kann. Hart­mann, so un­se­re Füh­re­rin, be­tei­lig­te sich selbst an der künst­le­ri­schen Ge­stal­tung des Saa­les und er­litt da­bei ei­nen töd­li­chen Sturz. Sein Nach­fol­ger be­en­de­te die Ar­bei­ten am Jo­sefs­saal. Als wir die Klos­ter­kir­che be­such­ten, en­de­te ge­ra­de ei­ne Trau­ung. So konn­ten wir noch ein Stück der Blä­ser- und Or­gel­mu­sik beim Aus­zug des Braut­paa­res ge­nießen.

Hat­te uns bis da­hin sehr schö­nes und war­mes Wet­ter be­glei­tet, brach nun ein Ge­wit­ter mit Re­gen­güs­sen her­ein. Die­ser Wet­ter­um­schwung be­ein­träch­tig­te den Auf­ent­halt der Rei­se­grup­pe im na­hen Wert­heim. Die meis­ten Mit­fah­rer such­ten in der sehr se­hens­wer­ten Stadt am Zu­sam­men­fluss von Tau­ber und Main Cafés und Re­stau­rants auf, ei­ni­ge er­kun­de­ten auch Wert­heim mit sei­nen High­lights.

Für uns al­le war die ACK-Fahrt ein schö­nes Er­leb­nis, an das wir si­cher noch oft den­ken wer­den. Dr. Platz dank­te wäh­rend der Heim­rei­se sei­nem evan­ge­li­schen Kol­le­gen und Freund so­wie des­sen Frau für die Pla­nung und Durch­füh­rung der Ex­kur­si­on nach Main­franken.

Dr. Wilhelm Platz