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Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

17.06.2014

Das Kon­zil von Kon­stanz (1414-1418)

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P. Prof. Dr. Schatz neben Dr. Wilhelm Platz (links) und Dieter Jung (rechts)

Das Jahr 1378 war ein Schick­sals­jahr für die da­ma­li­ge Chris­ten­heit in Eu­ro­pa: In der kat­ho­li­schen Kir­che be­gann das sog. Abend­län­di­sche Schis­ma, ei­ne Spal­tung der Kir­che, in der in den Jah­ren bis 1417 zwei oder so­gar drei Päp­ste ne­ben­ein­an­der um den Papst­thron strit­ten und da­bei von ver­schie­de­nen po­li­ti­schen Rich­tun­gen un­ter­stützt wurden.

Erst auf dem Kon­zil von Kon­stanz konn­te die Kir­chen­spal­tung im Jahr 1417 nach der Ab­set­zung der kon­kur­rie­ren­den Päp­ste durch die Wahl Mar­tins V. – mit bür­ger­li­chem Na­men Odo Co­lon­na – be­en­det werden.

Die Ar­beits­ge­mein­schaft Christ­li­cher Kir­chen in Frank­furt-Zeils­heim be­schäf­tig­te sich am 17. Ju­ni in ei­nem Vor­trags- und Aus­spra­che­abend mit die­ser Epo­che der Kir­chen­ge­schich­te, de­ren Fol­gen noch lan­ge in der Chris­ten­heit nach­wirk­ten und auch ei­nen be­deu­ten­den Ein­fluss auf die Re­for­ma­ti­on Mar­tin Lut­hers, Huld­reich Zwing­lis und Jo­han­nes Cal­vins hatten.

Re­fe­rent war der Kir­chen­his­to­ri­ker und Je­su­it Pro­fes­sor Dr. Klaus Schatz, der bis zu sei­ner Eme­ri­tie­rung an der Phi­lo­so­phisch-Theo­lo­gi­schen Hoch­schule St. Ge­or­gen in Frank­furt lehr­te. Sein Re­fe­rat war ei­ne ein­drucks­vol­le, le­ben­di­ge Dar­stel­lung der da­ma­li­gen Er­eig­nis­se, die die lei­der nur klei­ne Zu­hö­rer­schaft sicht­lich be­ein­druck­te und bewegte.

Das Kon­stan­zer Kon­zil war ei­ne Kir­chen­ver­samm­lung, an der etwa 2000 Per­so­nen aus Kir­che und Po­li­tik teil­nah­men und die die Lo­gis­tik der Stadt Kon­stanz bei­nahe über­for­der­te. Da es in der Kir­che kei­ne von al­len Chris­ten an­er­kann­te Lei­tung gab, wur­de das Kon­zil vom rö­misch-deut­schen Kai­ser Si­gis­mund ein­be­ru­fen und zu­nächst auch ge­lei­tet. Dem Le­ser die­ses Be­richts soll das Hin und Her zwi­schen den ver­schie­de­nen Päp­sten rö­mi­scher, pi­sa­ner und fran­zö­si­scher (Avig­non) Pro­ve­ni­enz er­spart blei­ben. Pro­fes­sor Schatz be­schäf­tig­te sich ne­ben vie­len De­tails mit der zen­tra­len Pro­ble­ma­tik des so­ge­nann­ten Kon­zi­lia­ris­mus. Es ging da­bei um die Fra­ge: Steht ein Kon­zil über dem Papst oder der Papst über dem Kon­zil? Das für die­ses Pro­blem ent­schei­den­de Kon­zils­do­ku­ment ist das am 6. April 1415 in Kon­stanz be­schlos­se­ne Dekret „Haec sanc­ta”. Dar­in wer­den zwei zen­tra­le Aus­sa­gen ge­troffen:

  1. Selbst der Papst muss den Ent­schei­dun­gen der Kon­zils­vä­ter ge­hor­chen und ist ver­pflich­tet „in Din­gen, die den Glau­ben be­rüh­ren und die Be­rei­ni­gung des ge­gen­wär­ti­gen Schis­mas so­wie die Re­form der Kir­che Got­tes an Haupt und Glie­dern be­tref­fen”, die Be­schlüs­se des Kon­zils an­zu­neh­men und um­zu­setzen.
  2. Der Papst ist ver­pflich­tet, die Ent­schei­dun­gen des Kon­stan­zer Kon­zils und auch spä­te­rer Kon­zi­li­en mit zu tra­gen. Soll­te er den Ge­hor­sam ver­wei­gern, ver­fällt er ei­ner an­ge­mes­se­nen Strafe.

Die­ser Kon­zi­lia­ris­mus wirk­te lan­ge in der Kir­che nach – et­wa im so­ge­nann­ten Gal­li­ka­nis­mus, ei­ner Rich­tung, die be­son­ders in Frank­reich vi­ru­lent war. In der Zeit der Ge­gen­re­for­ma­ti­on setz­te sich das Papst­tum auf dem Re­form­kon­zil von Tri­ent als die ober­ste In­stanz durch, doch erst im Ers­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil von 1869/70 kam es durch die Dog­ma­ti­sie­rung des päpst­li­chen Pri­mats und der Un­fehl­bar­keit des Pap­stes bei Ent­schei­dun­gen in Glau­bens­fra­gen und bei Pro­ble­men der Mo­ral zu der noch heu­te gül­ti­gen Pra­xis in der Lei­tung der Kir­che. Trotz­dem ha­ben auch in un­se­rer Zeit Kon­zi­li­en ei­ne gro­ße Be­deu­tung, wie das Zwei­te Va­ti­ka­ni­sche Kon­zil (1962-1965) ge­zeigt hat. Die­se Kir­chen­ver­samm­lung hat auch der öku­me­ni­schen Be­we­gung welt­weit neue Im­pul­se ge­geben.

Dr. Wilhelm Platz