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Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

26.09.2013

Rom und die Ökumene

Bild zu Text

Bartholomaios I., Ökumenischer Patriarch
Papst Franziskus
Nikolaus Schneider, EKD-Ratsvorsitzender (v.l.n.r.)

Die öku­me­ni­schen Be­zie­hun­gen der kat­ho­li­schen Kir­che wur­den am 26. Sep­tem­ber im Rah­men ei­ner Ver­an­stal­tung der Ar­beits­ge­mein­schaft Christ­li­cher Kir­chen Frank­furt-Zeils­heim be­han­delt. Dr. Wil­helm Platz be­rich­te­te über die Ent­wick­lung der Öku­me­ne in der kat­ho­li­schen Kir­che. Aus­ge­hend vom Ge­bet Je­su Chris­ti für die Ein­heit sei­ner Jün­ger im Abend­mahls­saal zu Je­ru­sa­lem in­for­mier­te der Re­fe­rent, dass es be­reits in der Ur­ge­mein­de im Rö­mi­schen Reich Spal­tun­gen ge­ge­ben ha­be, zum Bei­spiel in der Pro­ble­ma­tik des Ver­hält­nis­ses der Ju­den­chris­ten zu den Hei­den­chris­ten. Das so ge­nann­te „Apos­tel­kon­zil” in Je­ru­sa­lem hat in die­ser Fra­ge zur Er­hal­tung der Ein­heit ge­führt. Von be­son­de­rer Be­deu­tung war das ers­te Öku­me­ni­sche Kon­zil der Kir­che im Jahr 325 in Ni­zäa. Auf die­ser vom rö­mi­schen Kai­ser Kons­tan­tin dem Gro­ßen ein­be­ru­fe­nen Kir­chen­ver­samm­lung wur­de das Glau­bens­be­kennt­nis de­fi­niert, in dem die Kir­che als die ei­ne, hei­li­ge, kat­ho­li­sche und apos­to­li­sche er­klärt wur­de. Lei­der ha­ben sich aus un­ter­schied­li­chen Grün­den auf den fol­gen­den Kon­zi­len die alt­ori­en­ta­li­schen Kir­chen wie Kop­ten, Sy­rer und Ar­me­ni­er ge­trennt. Sie ge­hen bis heu­te ei­ge­ne We­ge, sind je­doch in der öku­me­ni­schen Be­we­gung ak­tiv wie ih­re Schwes­tern und Brü­der, die sich im Lauf der Ge­schich­te mit dem rö­mi­schen Papst ver­söhnt ha­ben. 1054 kam es zu ei­ner wei­te­ren Kir­chen­spal­tung. Da­mals trenn­ten sich die Grie­chen, die Ru­mä­nen, die Bul­ga­ren und die Rus­sen von Rom. Die­se Grup­pe von Chris­ten sind die Ort­ho­do­xen mit dem Öku­me­ni­schen Pa­tri­ar­chen von Kons­tan­ti­no­pel als Eh­ren­pri­mas. Die letz­te Ab­spal­tung von der Ge­samt­kir­che er­folg­te durch den Pro­tes­tan­tis­mus und die Ang­li­ka­ner im 16. Jahrhundert.

Auch in spä­te­ren Jahr­hun­der­ten bis in un­se­re Zeit gin­gen die Tren­nun­gen wei­ter – heu­te ins­be­son­de­re im Be­reich der Frei­kir­chen. Die­ser Viel­falt von Kir­chen und kirch­li­chen Ge­mein­schaf­ten steht die rö­misch-kat­ho­li­sche Kir­che ge­gen­über. Sie be­tei­lig­te sich bis zum Zwei­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil (1962-1965) nicht an der welt­wei­ten Öku­me­ne, die 1910 mit der von pro­tes­tan­ti­schen The­o­lo­gen ein­be­ru­fe­nen Welt­mis­si­ons­kon­fe­renz in Edin­burgh ein­ge­lei­tet wur­de. In den Fol­ge­jah­ren ent­stan­den im öku­me­ni­schen Be­reich zwei Ar­beits­grup­pen – „Faith and Order” und „Work and Life” – aus de­nen im Jahr 1948 der Öku­me­ni­sche Rat der Kir­chen in Ams­ter­dam her­vor­ging. Die kat­ho­li­sche Kir­che ar­bei­tet heu­te in der Grup­pe für „Glau­be und Kir­chen­ver­fas­sung” („Faith and Order”) mit. Im Va­ti­kan gibt es den Päpst­li­chen Rat für die För­de­rung der Ein­heit der Chris­ten, der mit al­len re­le­van­ten nicht kat­ho­li­schen Kir­chen und kirch­li­chen Ge­mein­schaf­ten im Di­a­log steht.

Im Vor­trag ka­men selbst­ver­ständ­lich die für die Öku­me­ne der kat­ho­li­schen Welt­kir­che wich­ti­gen Do­ku­men­te des letz­ten Kon­zils zur Spra­che – so die Dog­ma­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on „Lu­men gen­ti­um” und das Öku­me­nis­mus­de­kret „Uni­ta­tis red­in­te­gratio”.

In der sich an den Vor­trag von Dr. Platz an­schlie­ßen­den Aus­spra­che wur­de vor al­lem über die nach wie vor feh­len­de Abend­mahls­ge­mein­schaft zwi­schen evan­ge­li­schen und kat­ho­li­schen Chris­ten ge­spro­chen. Es wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass trotz der noch im­mer be­ste­hen­den Dif­fe­ren­zen in the­o­lo­gi­schen Fra­gen – et­wa in den un­ter­schied­li­chen Leh­ren und Auf­fas­sun­gen vom We­sen der christ­li­chen Kir­che – in der Öku­me­ne viel ge­tan wer­den kann, und das ge­schieht auch bei uns in Zeilsheim.

Dr. Wilhelm Platz