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Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

31.08.2013

Mar­tin Lut­her auf der Wart­burg

Ta­ges­fahrt der ACK nach Ei­se­nach

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Wartburg in Eisenach

Die Ar­beits­ge­mein­schaft Christ­li­cher Kir­chen in Zeils­heim führ­te un­ter der Lei­tung ih­res evan­ge­li­schen Vor­sit­zen­den Die­ter Jung am 31. Au­gust ei­ne Ta­ges­fahrt in die thü­rin­gi­sche Stadt Ei­se­nach durch. An die­ser in­ter­es­san­ten Ex­kur­si­on an ei­nen Ort, der in der Re­for­ma­ti­on des 16. Jahr­hun­derts ei­ne be­deu­ten­de Rol­le spielt, nah­men etwa 50 Da­men und Her­ren teil, dar­un­ter ei­ne statt­li­che An­zahl aus Or­ten der nä­he­ren Um­ge­bung. Der kat­ho­li­sche ACK-Vor­sit­zen­de Dr. Wil­helm Platz in­for­mier­te die Rei­se­teil­neh­mer wäh­rend der Bus­fahrt über das The­ma „Mar­tin Lut­her und die Re­for­ma­ti­on in Deutsch­land”. Er schil­der­te das Werk Lut­hers nicht nur in sei­nen Aus­wir­kun­gen auf das re­li­gi­ö­se Le­ben in un­se­rem Land, die bis in un­se­re Ge­gen­wart rei­chen, son­dern auch in die Po­li­tik, die Geis­tes- und Kul­tur­geschichte.

In den Mo­na­ten vom Mai 1521 bis März 1522 be­fand sich der Re­for­ma­tor in ei­ner Art „Schutz­haft” auf der Ei­se­na­cher Wart­burg. Der säch­si­sche Kur­fürst Fried­rich der Wei­se, ein über­zeug­ter Kat­ho­lik, aber auch Sym­pa­thi­sant Mar­tin Lut­hers, hat­te den nach dem Worm­ser Reichs­tag (1521) von Kai­ser Karl V. mit der Reichs­acht ver­folg­ten Lut­her in Ei­se­nach vor den Nach­stel­lun­gen durch die Kat­ho­li­ken in Si­cher­heit ge­bracht. Lut­her leb­te auf der Wart­burg von der Au­ßen­welt ab­ge­schlos­sen, ob­wohl er Ver­bin­dun­gen nach au­ßen durch sei­ne Freun­de und An­hän­ger hat­te.

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Schreibtisch Martin Luthers auf der Wartburg

Er mach­te sich in sei­ner von der re­li­gi­ö­sen Ent­wick­lung im Land ge­trenn­ten Exis­tenz auf der Burg am Rand des Thü­rin­ger Wal­des gro­ße Sor­gen um die Zu­kunft sei­ner re­for­ma­to­ri­schen Ar­beit, die bei ihm auch ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me wie schmerz­haf­te Ma­gen­be­schwer­den mit sich brach­ten. Da­mals droh­te in Wit­ten­berg, dem Zen­trum der Re­for­ma­ti­on, die Ent­wick­lung des Pro­tes­tan­tis­mus aus dem Ru­der zu lau­fen. Der ra­di­ka­le An­hän­ger der re­for­ma­to­ri­schen Be­we­gung Karl­stadt wü­te­te dort ge­gen die Kat­ho­li­ken. Es kam zur Schän­dung kat­ho­li­scher Kir­chen und zu tät­li­chen Über­grif­fen, de­nen be­son­ders Mön­che und Non­nen zum Op­fer fie­len. Mar­tin Lut­her ver­ließ des­halb An­fang März 1522 die Wart­burg und be­gab sich heim­lich nach Wit­ten­berg, um dort die Re­for­ma­ti­on in fried­li­che Bah­nen zu lenken.

Die Zeils­hei­mer Be­su­cher lern­ten wäh­rend der Stadt­füh­rung die High­lights Ei­se­nachs – die Ge­or­gen­kir­che, das Stadt­schloss so­wie das Lut­her- und das Bach­haus ken­nen. Ein gro­ßes Er­leb­nis war die ex­zel­len­te Füh­rung durch die Wart­burg. Das präch­ti­ge Bau­werk aus dem Mit­tel­al­ter war durch die Jahr­hun­der­te hin­durch ein Ort von so­gar welt­ge­schicht­li­cher Be­deu­tung. Der Auf­ent­halt Mar­tin Lut­hers 1521/22 auf der im­po­san­ten Burg­an­la­ge war ein­e sehr wich­tige Epi­so­de. Der Re­for­ma­tor ver­fass­te wäh­rend sei­ner „Schutz­haft”, die ihm wahr­schein­lich das Le­ben ret­te­te, zahl­rei­che the­o­lo­gi­sche Schrif­ten. In nur we­ni­gen Wo­chen über­setz­te er das Neue Tes­ta­ment aus dem Grie­chi­schen ins Deut­sche. Da­bei schuf Lut­her ei­ne deut­sche Na­ti­o­nal­spra­che. Sei­ne Ab­sicht war, ein Werk zu pub­li­zie­ren, des­sen In­halt auch die gro­ße Mas­se des ein­fa­chen Vol­kes ver­ste­hen konn­te. Sein Grund­satz war „Dem Volk aufs Maul zu schau­en”. Lut­her ging so nicht nur als re­li­gi­ö­ser Re­for­ma­tor, son­dern auch als Sprach­schöp­fer in die Ge­schich­te ein.

Un­se­re Rei­se­grup­pe kehr­te am spä­ten Abend – tief be­ein­druckt von den Se­hens­wür­dig­kei­ten in Ei­se­nach und von den zahl­rei­chen in­ter­es­san­ten In­for­ma­ti­o­nen, die sie un­ter­wegs er­hal­ten hat­te – nach Zeils­heim zurück.

Dr. Wilhelm Platz