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Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
Frankfurt am Main-Zeilsheim

Berichte

15.05.2013

Evan­ge­li­sches und kat­ho­li­sches Lut­her­bild im Wan­del

Zu die­sem span­nen­den und in­ter­es­san­ten The­ma hat­te der Evan­ge­li­sche Ar­beit­neh­mer­ver­ein ge­mein­sam mit der Zeils­hei­mer ACK, der Kat­ho­li­schen Ar­beit­neh­mer­be­we­gung und dem Kat­ho­li­schen Män­ner­bund in der Woche vor Pfings­ten in das Evan­ge­li­sche Ge­mein­de­zen­trum an der Pfaf­fen­wie­se ein­ge­la­den. Dr. Wal­ter Fleisch­mann-Bis­ten vom Kon­fes­si­ons­kund­li­chen Ins­ti­tut der EKD in Bens­heim schil­der­te in sei­nem Vor­trag, wie sich – be­gin­nend mit der Re­for­ma­ti­on im 16. Jahr­hun­dert – die Be­ur­tei­lung Mar­tin Lut­hers durch die kat­ho­li­sche Kir­che, aber auch im Be­reich des Pro­tes­tan­tis­mus im­mer wie­der ver­än­dert hat.

Bild zu Text

Pfarrer Ulrich Matthei und Dr. Walter Fleischmann-Bisten

Wie nicht an­ders zu er­war­ten, war das kat­ho­li­sche Lut­her­bild von An­fang an ne­ga­tiv. Der Re­for­ma­tor wur­de we­gen sei­ner Kri­tik an der Papst­kir­che als Ket­zer ver­dammt – be­son­ders in der Po­le­mik des Au­tors Jo­han­nes Coch­läus. Die­se Li­nie zog sich bis zum Zwei­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil (1962-1965) hin, als im Öku­me­nis­mus­de­kret „Uni­ta­tis red­in­te­gra­tio” (21.11.1964) ei­ne An­nä­he­rung der Kat­ho­li­ken an die evan­ge­li­schen Chris­ten er­folg­te. Nam­haf­te kat­ho­li­sche The­o­lo­gen wie Jo­seph Lortz, Ot­to Her­mann Pesch und Pe­ter Manns hat­ten durch ih­re wis­sen­schaft­li­chen For­schun­gen da­für den Bo­den be­rei­tet. Manns er­kann­te in Mar­tin Lut­her so­gar ei­nen „Va­ter des Glaubens”.

Dif­fe­ren­zier­ter war – so der Re­fe­rent – der Weg im Pro­tes­tan­tis­mus. Lan­ge Zeit wur­de in der Dar­stel­lung des Re­for­ma­tors – meist sehr po­le­misch – ein Ge­gen­satz zu Phi­lipp Me­lanch­thon be­haup­tet, den es nicht gab. Auch heg­te der re­for­mier­te The­o­lo­ge Jean Cal­vin bei al­len the­o­lo­gi­schen Dif­fe­ren­zen kei­ne Feind­schaft zu Lut­her. Oft wur­de die Ein­stel­lung zur lut­he­ri­schen Re­for­ma­ti­on und ih­re Nach­wir­kung von der Po­li­tik be­ein­flusst. Das ge­schah be­son­ders im Deutsch­land des 19. Jahr­hun­derts, als un­ter Preu­ßens Füh­rung das Deut­sche Kai­ser­reich er­rich­tet wurde.

Mar­tin Lut­her wur­de zum Na­ti­o­nal­hel­den er­ho­ben. Es ent­stand ein neu­er evan­ge­li­scher Na­ti­o­na­lis­mus, der bis in die Zeit des Na­ti­o­nal­so­zi­a­li­smus sei­ne Wir­kung zeig­te. Der Re­fe­rent be­ton­te, dass der Re­for­ma­tor als an­geb­li­cher Weg­be­rei­ter für den Er­folg der NS-Ide­o­lo­gie miss­braucht wur­de. Der evan­ge­li­sche Na­ti­o­na­lis­mus wand­te sich schon im Kai­ser­reich und dann in der Wei­ma­rer Re­pub­lik ge­gen das kat­ho­li­sche Zen­trum und auch ge­gen die SPD. In der DDR wur­de Mar­tin Lut­her eben­falls für po­li­ti­sche Zwec­ke in An­spruch ge­nom­men, sei­ne The­o­lo­gie von den kom­mu­nis­ti­schen Athe­is­ten je­doch abgelehnt.

Am En­de der Ver­an­stal­tung wur­de die Fra­ge nach der öku­me­ni­schen Be­deu­tung des Re­for­ma­tors für uns ge­stellt. Dr. Fleisch­mann-Bis­ten reg­te an, Lut­hers Werk neu zu durch­den­ken und zu se­hen, wel­che An­re­gun­gen und Im­pul­se wir für un­se­re öku­me­ni­schen Be­mü­hun­gen er­hal­ten können.

Dr. Wilhelm Platz